Ines in Målilla

Ines Leding, geb. 1975, in Bremen, Deutschland. Ines lebt in Schweden seit Juni 2013.

Ines hatte Unterricht bei Svenska Intensiv: Juni 2012 – April 2013


Dass Ines, 46, in Schweden nicht auffällt, mag vielleicht an ihren blonden Haaren oder ihrem exzellenten Schwedisch liegen, aber es könnte auch sein, dass sie in Småland ihr wirkliches Zuhause gefunden hat. „Ich hatte nie das Gefühl, weg aus Deutschland zu müssen“, fängt sie ihre Auswandergeschichte an.

Obwohl sie nie die Idee vom Auswandern gehegt hat, könnte man sagen, dass Ines heute ihren Kindheitstraum lebt. „Wir haben schöne Familienurlaube in der schwedischen Natur verbracht, und ich hatte auch als Erwachsene noch das Gefühl, wenn ich gestresst war, nach Schweden zu müssen, um durchzuatmen“, berichtet sie. Heute wohnt sie in ihrem eigenen Haus am Waldrand und kann direkt von dem Hauseingang auf Skiern in den Wald fahren. Ines liebt die schwedische Natur – und die Menschen!

Aber es war nicht so, dass Ines unbedingt nach Schweden wollte. Sie hatte ein gutes Leben in Deutschland, Familie und Freunde in der Nähe, einen interessanten Job und – ganz wichtig für Ines – eine Kirchengemeinde, in der sie sich zu Hause fühlte. „Aber“, erklärt sie, „ich bin Christin und höre auf Gott. Ich hatte trotz alledem das Gefühl, ich war noch nicht da, wo Gott mich haben wollte.“ Als Ines mit diesen Gedanken schwanger ging, tauchte in ihrem Kopf immer wieder Schweden auf.

Sie entschied sich, das Land noch etwas genauer anzuschauen und fing an, Informationen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. „Zuerst war da ein in Schweden lebender Deutscher, ein Bekannter von Freunden, den ich besucht habe, um ein Bild davon zu bekommen, wie es sich dort leben lässt.“ Während dieses Aufenthalts im Jahr 2010 wurde es Ines ganz klar: Schweden ist ihre Bestimmung. Da ist ihr Platz!

Als sie zurück in Deutschland war, meldete sie sich bei der VHS an, um Schwedisch zu lernen. „Wenn man in einem anderen Land leben möchte, muss man sich anpassen und die Sprache lernen“, findet Ines. „Sonst kommst du nicht wirklich in die schwedische Gesellschaft rein!“ Als sie 2012 zu Svenska Intensiv kam, waren ihre Auswander-Pläne noch mehr gefestigt.

„Bei Svenska Intensiv war ich gezwungen, mit Menschen zu reden“ erklärt Ines. „Bei der VHS war ich die Streberin, bei euch waren alle Teilnehmer gleich motiviert und hatten ziemlich den gleichen Stand.“ In den Kursen hat Ines, wie sie berichtet „Gleichgesinnte und total nette Leute“ getroffen und zwei von ihren Kurskolleginnen haben sie sogar in Schweden besucht.

Als Ines im Juni 2013 nach Hultsfred kam, hatte sie sowohl eine Arbeitsstelle, schon gute Kontakte in einer Freikirche als auch eine Bleibe. „Ich hatte das Gefühl, für mich wurde der rote Teppich ausgerollt und ich fühlte mich willkommen.“ Sie hatte vorher gehört, dass es schwer sei, zu Schweden Kontakt zu knüpfen und Freunde zu finden, aber das hat sich überhaupt nicht bestätigt. „Vielleicht ist es in der Christlichen Gemeinschaft anders, aber ich habe hier die Menschen sehr offen erlebt“, sagt Ines nachdenklich, „Aber auf der Arbeit fand ich auch alle sehr offen und herzlich!“ fügt sie hinzu.

„In Deutschland habe ich in der Frühförderung von Kindern mit Behinderungen gearbeitet und die Familien zu Hause begleitet, aber das gibt es ja hier nicht. Wenn es keine Coronabeschränkungen gibt, fahre ich in Kindergärten und beobachte die Kinder mit besonderen Bedürfnissen, damit ich dann die Pädagogen beraten kann. Ich berate auch Eltern und habe mit der habilitering zu tun.“ Auf der Arbeit hat sie erlebt, dass die schwedischen Kolleginnen und Kollegen etwas gelassener sind als sie es aus Deutschland kannte. „Hier macht man schon drei oder vier möten, bis dann alle übereinstimmen“, lacht sie. Obwohl Ines sich selbst eigentlich als konfliktscheu beschreibt, wurde sie in Schweden oft als etwas direkt empfunden und als jemand, der schnell vorprescht.

Was Ines besonders an den Schweden mag, ist das selbstverständliche DU. „Mir fiel es in Deutschland schon schwer, Menschen, die ich mag, zu siezen“, erzählt sie. „Hier duzt man einfach alle und es ist trotzdem nicht respektlos.“ Ines berichtet, dass sie in Schweden häufig auf einen Slogan getroffen ist, den sie auch gern nach Deutschland exportieren würde: Olika är bra. „Ich finde, hier gibt es allgemein mehr Respekt vor Unterschieden, aber besonders im pädagogischen Bereich. Auch mit klinischer Diagnose hat jeder Mensch selbstverständlich seine Daseinsberechtigung.“

Der einzige Grund für Ines, zurück nach Deutschland zu gehen, scherzt sie, wäre, falls sie da die Liebe ihres Lebens finden würde. „Oder wenn meine Familie mich brauchen würde, dann würde ich auch zurückkommen“. Aber die Liebe ihres Lebens hofft sie weiterhin in Schweden zu finden!

/carina

Ines schwedisches Zuhause, im Winter und im Sommer. 

 

Ines Tipps für Einwanderwillige

  • Lern Schwedisch – dass ist der Türöffner!
  • Sei offen und interessiert an der schwedischen Mentalität

 

Vokabelhilfe

en habilitering, -arBeratung, Unterstützung und Behandlung für Menschen mit einer dauerhaften Behinderung
ett möte, -nBesprechung, Sitzung, Treffen
Olika är braVerschieden ist gut
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