Als ich 1972 in Svenljunga eingeschult wurde, fingen die Sommerferien an, bevor die Junitage zweistellig wurden und hörten erst um den Geburtstag meiner Schwester, herum, am 21. August, auf. Für uns waren es mindestens zehn lange Wochen, in denen wir tun und lassen konnten, was wir wollten. Meine Mutter schickte uns bei schönem Wetter nach draußen, aber lesen konnte ich ja auch dort und ich hatte auch nichts dagegen, in den See zu springen oder im Wald zu spielen.
Mein Vater hatte im Juli vier Wochen Urlaub. In dieser Zeit war meine Mutter als Urlaubsvertretung in ihrem alten Job tätig, da er ja zu Hause war und sich um uns kümmern konnte. Vielleicht fuhren wir eine Woche mit dem Wohnwagen unserer Großeltern auf einen Campingplatz in Mittelschweden oder wir fuhren nach Göteborg, um den Vergnügungspark Liseberg zu besuchen. Fernreisen waren nicht in unserem Budget und ich kann nicht behaupten, dass sie mir fehlten. Mit gefiel es schon damals, zu Hause rumzuhängen, zu lesen und nichts tun.
Wenn wir im August wieder zur Schule mussten, hatten wir uns genug erholt und gelangweilt, waren mindestens zehn Zentimeter gewachsen und freuten uns auf den geregelten Alltag. So geht´s mir bis heute! Am liebsten möchte ich immer noch zehn Wochen ungeplante Zeit haben, um mich erholen und langweilen zu können. Nur wachsen möchte ich nicht mehr.
Während meines zweiten Jobs in Hamburg erzählte ich meinem Chef, dass man in Schweden als Arbeitnehmer einen Urlaubsanspruch auf vier zusammenhängende Wochen in den Sommermonaten hat. Er guckte mich verständnislos an und klärte mich darüber auf, dass es in Deutschland gaaanz anders läuft. „Und da du die Einzige im Team bist, die keine schulpflichtigen Kinder hat, kannst du vielleicht eine Woche während der Sommerferien bekommen, aber sonst musst du hier den Laden aufrechterhalten!“
Bei Svenska Intensiv habe ich eine Sommerpause eingerichtet. Früher war das an die Hamburger Schulferien gekoppelt, nicht nur, weil ich selbst damals schulpflichtige Kinder hatte, sondern auch, weil viele Leute verreist waren und keine Zeit für Schwedischunterricht hatten. Aber seit wir unsere Kurse online ausrichten, macht es sich bemerkbar, dass immer irgendwo Ferien sind, danach können wir uns nicht mehr richten. Deshalb beschloss ich, im Juli und August keine Kurse anzubieten.
Das ging einige Jahre gut, aber dann dehnten sich die Juni-Kurse immer länger in den Juli hinein und aus den zwei kursfreien Monaten wurden sechs Wochen.
Dieses Jahr bietet Elizabet das Sprachcafé Fika & Prata in einer Sommerversion sogar im Juli und August an.
Aber ich, ich brauche seit 1973 viele ungestörte Wochen in den Sommermonaten. Ich kann mir schon vorstellen, zu verreisen, aber ich möchte genug Zeit haben, um mich zu Hause zu erholen und am liebsten auch ein bisschen zu langweilen. Dann kommt erst für mich das richtige Sommergefühl auf!
Vokabelhilfe
ett sommarlov, – Sommerferien
