Ohne Elljusspår läuft gar nichts im Wald

Västergötland, wo ich herkomme, ist keine schneesichere Gegend. Dass man im Winter Skifahren kann, ist nicht sicher. Nicht mal im Februar, wo alle schwedischen Schulen eine Woche Ferien haben: Sportlov, und der Name ist Programm. Sport in der frischen Luft ist angesagt, Skifahren oder wenn die Seen zugefroren sind, Schlittschuh laufen.

Den Schulkindern wird die Möglichkeit gegeben, eine Woche lang Vitamin D zu tanken und in dem glitzernden Schnee unter der strahlenden Wintersonne herumzutollen. Die Kinder aus Västergötland oder noch südlicher haben vielleicht keinen Schnee zur Verfügung, aber in der Ferienwoche können sie in den Norden fahren um Skizulaufen.

Manche fahren in die andere Richtung, in die Alpen, um den kontinentalen Schnee auszuprobieren. Unzählig sind die Geschichten über schwedische Jugendliche, die ihr erstes Besäufnis mit Jägertee und Strohrum in irgendeiner Hütte auf der Alm hatten, aber das ist eine ganz andere Geschichte und die möchte ich hier gar nicht erzählen.

Schneesicher ist es nicht in Västergötland, aber bombensicher ist, dass es im Winterhalbjahr früh dunkel wird. Wenn weißer Schnee liegt, hat man das Gefühl, dass es etwas heller ist, aber ab etwa drei Uhr Nachmittags gehen die Straßenlaternen an und im Wald ist es zappenduster. Wenn man sich außerhalb des Lichtkreises der Strassenlaternen bewegt, ist es so dunkel, dass man nichts mehr sehen kann, wirklich nichts. Im Wald zum Beispiel, kann man weder Elch, Hase und Eichhörnchen noch die Bäume, Pfade oder Steine, über die man stolpern könnte, sehen. Deswegen bietet jede noch so kleine Gemeinde ihren Einwohnern ein Elljusspår an. Es ist ein „Trimm-dich-Pfad“ von drei oder fünf Kilometern mit elektrischer Beleuchtung, die ab Dunkelheit bis etwa 22 Uhr eingeschaltet ist. Dann können auch die Schulkinder außerhalb der Ferien und die berufstätigen Einwohner nach Feierabend in den Wald gehen, je nach Schneelage mit oder ohne Ski. Die Schweden sind ein Naturvolk und es ist nicht viele Generationen her, dass 90% der Bevölkerung auf dem Land wohnte, und das wirkt bis heute nach. In unserem Blut fließen Tannennadeln und wir sind nicht glücklich wenn wir nicht regelmäßig Moos unter den Füßen spüren können. Wenn der allgemeine Durchschnitts-Schwede nicht in den Wald kann, wird er verrückt, deprimiert oder beides. Das ist allgemein bekannt und deswegen werden überall die besagten Elljusspår gebaut und gepflegt. Keine Gemeinde möchte suizidale Einwohner haben! Dann lieber Einwohner, die durch den Wald um ihre geistige Gesundheit rennen und dafür nimmt man gern ein paar Lampen und etwas Strom im Kauf. Der Strom kommt eh aus der Steckdose und kostet, dank Wasserkraft, fast nichts.

/carina

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