God jul oder ”Mann, bin ich satt!“

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Foto © Kirsten Stelling

So, jetzt ist es soweit. Die schwedische Hausfrau (sofern es die überhaupt gibt) hat alle Speisen für das JULBORD, das traditionelle Weihnachtsbuffet, vorbereitet und kann sich ab Heilig Abend entspannt zurücklehnen. Wenn sie jetzt alles aufgefahren hat, was die Tradition verlangt, müsste sie mindestens zwanzig Gerichte haben. Vor Silvester braucht sie definitiv nicht mehr die Küche betreten. Etwas aufwärmen schafft jeder Depp, das heißt jeder noch so träge Ehemann oder unkooperative Teenager kann die Microwelle einschalten und Teller auf dem Tisch stellen.

Was gibt’s denn in Schweden zu Weihnachten? Grob gesagt schlachtet man ein Schwein und vertilgt es. Das Essen ist schweinelastig, aber es gibt natürlich auch noch Fisch. Wir sind ja schließlich in Schweden und da wir eine 3200 Kilometer lange Küste und sonst noch unendlich viele Binnenseen und Gewässer haben, fällt schon etwas Fisch ab. Etwas Gemüse gibt es auch: Kohl. Je nachdem, wo man sich in Schweden befindet, sieht das JULBORD etwas anders aus. Jede Region hat das Feinste, was sie im Winter herstellen kann, als Tradition für den JULBORD dazu gesteuert.In Lappland gibt es, zum Beispiel, Elch und Rentier und auf Gotland SAFFRANSPFANNKAKA, weil dort so viele Krokusse wachsen…, oder nicht? Safran war früher eine exotische Handelsware, die schon im 16. Jahrhundert von den Kaufleuten mit ihren Segelbooten auf die Insel gebracht wurden.

Was überall dabei ist und den zentralen Platz einnimmt, ist der JULSKINKA. Das ist und bleibt die Hauptattraktion und wird zum Schluss im Backofen mit einer Senfkruste versehen. Aus dem Sud, in dem der Schinken gekocht wurde, macht man das nächste Gericht: DOPP-I-GRYTAN. Man tunkt süßliches Brot, VÖRTBRÖD, in die fette Brühe und versucht, das mit Messer und Gabel unfallfrei zum Mund zu befördern. Wabbeliges, fast aufgelöstes Brot vom Teller auf einer Gabel ins Körperinnere zu bekommen, ist gar nicht so einfach, aber falls es einem nicht gelingt, ist das auch nicht schlimm. Es schmeckt nämlich überhaupt nicht, sondern wird nur als sentimentale Beilage für die über 70-Jährigen gereicht. Vermutlich werden Erinnerungen an alte Zeiten wach, wo alles irgendwie gegessen werden und nichts weggeschmissen werden durfte.

Dann kommt aber KÖTTBULLAR, PRINSKORV und JANSSONS FRESTELSE. Gerichte, die fast immer zu Festen angeboten werden, Klassiker unter den feinen Speisen. Dazu gibt es natürlich selbst eingelegten Hering, SILL, der ganz anders eingelegt ist, als zu Ostern und Mittsommer. Manche finden, dass LAX dazugehört, aber Andere sagen, dass Lachs auf gar keinen Fall auf den JULBORD darf, weil er ein Sommeressen ist. Der Lachs ist umstritten, aber unumstritten ist REVBENSPJÄLL, selbstgemachter LEVERPASTEJ und selbst gestopfter JULKORV. Ein OMELETT in etwas Mehlschwitze mit Garnelen oder Pilzen gebraten, beruhigt den Magen und sollte auf jeden Fall irgendwo auf dem Tisch zu finden sein. Dann gibt es noch den Kohl: RÖDKÅL wird hauptsächlich zur Weihnachtszeit verspeist, dafür aber flächendeckend. GRÖNKÅL ist eine Spezialität aus Halland und wird da sogar mit mehr Fett als in Norddeutschland zubereitet. BRUNKÅL hat nichts mit Bergbau zu tun, sondern ist Weißkohl der mit Sirup angebraten wurde und braun geworden ist. Diese Sitte kommt ganz aus dem Süden Schwedens: Skåne.

Auf gar keinen Fall darf man den RISGRYNSGRÖT vergessen! Milchreis wird weniger süß gekocht, aber dafür kann man ordentlich Zimt und Zucker drauf streuen. In der weißen Pampe ist eine Mandel versteckt, und derjenige der die Mandel bekommt, heiratet im kommenden Jahr. Nicht nur die Menschen lieben Milchreis, auch der TOMTE mag es und möchte mit einer ordentlichen Schüssel davon bedacht werden. Stell´s einfach auf die Treppe, dann kommt er in einem unbeobachteten Moment vorbei und holt sich die Leckerei! Ich hoffe, ihr habt etwas Platz für den LUTFISK gelassen? Der Fisch kommt nicht allein sondern in Gesellschaft von unverzichtbaren Beilagen: gekochte Kartoffeln, weiße Mehlsoße und knallgrüne Erbsen. Die Erbsen sind vermutlich gegen die Furcht der Schweden vor Schneeblindheit gedacht. Das Gericht ist sonst absolut farblos und wenn es keine Erbsen dazu gäbe, könnte man glauben, dass man tatsächlich schneeblind geworden ist.

Wenn ihr denkt, ihr seid satt, kommt jetzt noch der Nachtisch. Ein GOTTEBORD schließt die Völlerei ab. Hier gibt es möglicherweise RISALAMALTA, kalten Milchreis mit Schlagsahne, Vanillezucker und Apfelsinenstücken versehen, selbstgebackenen PEPPARKAKOR, LUSSEKATTER und selbstgemachte Süßigkeiten, wie KNÄCK und ISCHOKLAD.

Ojeh! Die Getränke! Ich habe die Getränke vergessen! JULMUST für die Kinder, die Brause ist sogar süßer als Coca Cola aber genauso dunkel. Alkoholische Getränke wie JULÖL und JULSNAPS, selbst gewürzt versteht sich, werden nur von Erwachsenen getrunken. Ab und an kann ein heißes Glas GLÖGG mit Mandel und Rosinen angeboten werden und den gibt es auch in alkoholfreier Ausführung. Autofahrer und Kinder müssen sich schließlich auch aufwärmen dürfen.

Und übrigens, JULBORD eignet sich hervorragend als KNYTKALAS. Wenn jeder Gast ein Gericht mitbringt, ist das ganze Gekoche doch schnell erledigt. Und dann darf man auch vor Januar wieder etwas Anderes essen. Wasser und Brot zum Beispiel, weil es egal ist, wie viel JULSNAPS man zur Verdauung trinkt, ein gewisses Völlegefühl macht sich spätetens am zweiten Weihnachtstag breit. Bei dem Einen oder Anderen spannt die Hose und das Weihnachtskleid des Vollweibes erinnert an die prall gefüllte Weihnachtswurst. Die Backen sind voller und das Doppelkinn droht ein Tripelkinn zu werden. Okay, dann sind wir wieder so weit: Weight Watchers, wir kommen!

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Foto © Kirsten Stelling

Men först tillönskas ni alla en god jul och ett par riktigt smakliga julmåltider!

/carina

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