Nebeneffekte

Wir möchten alle nichts mehr darüber hören, wie die Pandemie unser Leben verändert hat. Aber es gibt Nebeneffekte der Pandemie, die noch nicht genügend beleuchtet worden sind.

Ein überraschender Nebeneffekt ist, dass ich gerne putze. Seit unsere Putzfee nicht mehr kommt, hat sich das, von dem ich dachte, dass es unerlässlich für meine geistige Gesundheit sei, in das Gegenteil verwandelt. Ich empfinde eine Genugtuung, wenn ich das Bad ordentlich geputzt habe, und selbst geputzte Fenster sind auch irgendwie schöner. Mein Mann hat sich als Putzfee 2.0 entpuppt und diskutiert gar nicht mehr darüber, wie oft eigentlich Bettwäsche gewechselt werden muss oder ob das Klo tatsächlich jede Woche dran sein muss, sondern macht es einfach. Das Haus ist, wie in einer Studenten-WG, in Putzzonen aufgeteilt, mit dem Unterschied zu denselbigen, bei uns klappt es!

Früher habe ich gesagt, dass ich lieber aufhöre, zu essen, als anfange, zu putzen, aber das stimmt nicht. „Aufhören, zu essen“, ist das Gegenteil von dem, was ich zur Zeit mache. In die Debatte über „Coronakilos“ und „Fatshaming“ möchte ich nicht einsteigen, aber es ist Fakt, dass ich mehr koche, mehr esse und mehr über Essen nachdenke, als früher. Zumindest, wenn man die Zeitschiene „Seit die Kinder ausgezogen sind“ anlegt. Als sie klein waren, habe ich jeden Tag gekocht, aber seit mein Mann und ich wieder einen Zweipersonenhaushalt führen, in dem der Eine von uns immer Mittag in der Kantine aß und die Andere gern zwischen den Firmenkunden unterwegs im Café, blieb der Herd öfter kalt. Nun ist die Kantine zu und die Firmenkunden werden von zu Hause aus abgearbeitet, jetzt brauchen auch wir etwas Vernünftiges zu essen. Also habe ich meine verstaubten „Alltagskochbücher“ ausgekramt und wir kochen wieder tägliche. Und wisst ihr was? Es schmeckt gut und ist vermutlich gesünder als das, was wir sonst aßen.

Spazierengehen ist eine Volksbewegung geworden und nichts, das ich erfunden habe. Eine kleine Runde in einem der Parks in der Nähe wird schnell zu einem „meet and greet“ mit den Nachbarn. Und das ist schön, weil, sich gegenseitig zum-Kaffeetrinken einladen, weinselige Restaurantbesuche oder Grillabende sind ja nicht erlaubt. Also ist die Runde um den Kupferteich zeitlich schwer einzuplanen, es kommt darauf an, wie viele Nachbarn ich unterwegs treffe. Und je nachdem, wie oft ich sie sehe –wenn wir uns mehrere Tage im Folge begegnen, ist vermutlich gar nichts passiert – reicht ein freundliches Nicken oder Winken und natürlich ein Lächeln. Weil, man ist ja froh, sich gesehen zu haben!

Wenn es zu der Pandemie einen Beipackzettel geben würde, würde da vielleicht stehen: „Bisher bekannte Nebenwirkungen sind vermehrtes Putzen, Kochen und Spazierengehen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker.“

/carina

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