Hej då 2020! Välkommen 2021!

Selten ist ein Jahr so beschimpft worden wie 2020. Ich kann nicht mal zählen wie oft ich „2020, was für ein beschissenes Jahr!“ und „2021, es kann nur besser werden!“ gehört habe. 2020 hatten wir uns anders vorgestellt, aber war das Jahr wirklich nur durchgehend schlecht?

Ich möchte mich an 2020 als das Jahr erinnern, wo meine in Schweden, Spanien und Österreich verteilte Familie gelernt hat „fika“ über Zoom zu machen. Ich habe viel öfter mit meiner Nichte in Göteborg Videocall gemacht und die Familiengruppe bei WhatsApp wurde zeitweise für Fotoherausfordeungen genutzt. Ich habe sofort gesehen, dass meine Tochter in Spanien eine neue Brille hat und weiß, wie die Küche meiner Nichte in Österreich aussieht. Ich finde, obwohl wir verstreut sind, sind wir näher gerückt. 2020, das hast du gut gemacht!

Seit Lesungen, Kinoabende, Restaurantbesuche oder Abende mit Freunden nicht mehr auf der Agenda stehen, bin ich eine gewiefte Netflix/Amazon/Mediathek-Guckerin geworden. „Unorthodox“, „Babylon Berlin“, „Mord mit Aussicht“, „Queen´s gambit“ und einige Serien mehr habe ich mit meinem Mann geschaut. Das hat mein Leben bereichert und meinen Horizont erweitert. Danke 2020, dass ich die Ruhe hierfür aufbringen konnte.

Als ich tatsächlich im November vom fiesen Coronavirus  erwischt wurde und mich andauernd ausruhen musste, habe ich gelesen. Lesen tue ich zwar immer, aber dieses Jahr habe ich noch mehr gelesen als sonst und ich habe auch großes Glück gehabt: So viel guten Lesestoff habe ich selten erwischt. Danke 2020, dass ich Zeit hatte, so viele verschiedene Genres auszuprobieren.

Die darauf folgende Quarantäne hat mir  außerdem gezeigt, wie toll unsere Nachbarschaft und unsere Freunde sind. Es wurde für mich gekocht, eingekauft und kleine Überraschungen mit der Post geschickt. Alle haben sich nach meiner Gesundheit erkundigt und gefragt, wo sie helfen können. Das hat das Kranksein viel einfacher gemacht und es tat sehr gut im Herzen. Es war eine sehr schöne Erfahrung, 2020, die ich nicht missen möchte.

Nur damit es klar ist, das Jahr 2020 möchte ich auf keinen Fall wiederhaben. Das Virus hat für viele Menschen unerträglich viel Leid gebracht, und dass es mir gefehlt hat, zu feiern, tanzen und spontan jemanden zu umarmen, ist in diesem Zusammenhang kaum der Rede wert. Trotzdem möchte ich kurz innehalten und überlegen, was ich von dem vergangenen Jahr behalten möchte.

Ich möchte mein Leben in Zukunft weniger hektisch gestalten. Ich möchte mir jedes Mal weiterhin nach dem Duschen die Zeit nehmen, mich komplett einzucremen und ich möchte weiterhin so viel Obst essen, wie ich es in letzter Zeit getan habe. Aber lass uns bitte trotzdem die Impfungen fortführen und auf eine Herdenimmunität ohne noch mehr Tote oder Kranke hoffen! Ich möchte wirklich gern wieder nach Schweden, Spanien und Österreich reisen können, denn auch wenn Zoom ein guter Begleiter ist, es hat seine Grenzen.

 

 

 

 

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