Schule ahoi

Schule ahoi

Ein bißchen Wehmut schwingt mit, wenn ich meinen Sohn demnächst wieder in die Schule „schicke“. Es ist nämlich das letzte Mal. Er verlässt im Frühjahr 2018 die Schule, und damit wäre auch ich zur Hälfte entlassen, aus meiner elterlichen Schul -Verantwortung. Seine Zwillingschwester aber hat mir durch ein Auslandsschuljahr einen Aufschub verschafft, und lässt mich noch eine Weile den Hamburger Schulbetrieb von innen geniessen.

Ich weiß nicht, ob es an Deutschland liegt, oder daran dass es nun andere Zeiten sind, aber die Schulzeit meiner Kinder war ganz anders als meine eigene, in den 70er – Jahren in Schweden. Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass meine Mutter jemals gefragt wurde, ob sie „Milch-Mutti“ oder „Bibliotheks-Mutti“ werden wollte. Milch gab es sowieso zum Schulessen und in der Schulbibliothek hauste allmächtig die Schulbibliothekarin. Die meisten schwedischen Muttis hatten übrigens schon in den 70ern keine Zeit mehr, Milch auszuschenken oder Bücher zu sortieren, da sie berufstätig waren.

Als meine Kinder 2006 eingeschult werden sollte, habe ich deren zukünftige Schule angerufen und gefragt, wo die Hortanmeldung abzugeben sei. Ich dachte, ich hätte mich verhört, als die Schulsekretärin mir erklärte, dass es keinen Hort gäbe. In diesem Viertel sei es ja auch nicht nötig, fügte sie mahnend hinzu. Sie hätte auch noch sagen können: Übrigens gibt es auch kein Mittagsessen und ganz viele Hausaufgaben. Sie hätte mir auch den Füllerführerschein erklären können, und dass den Kindern ernsthaft Latein beigebracht werden würde. Dann wäre ich wesentlich besser vorbereitet gewesen, auf das, was die nächsten Jahre auf mich zukommen sollte!

Ich hatte wirklich keine Ahnung, dass Kinder heutzutage noch Gedichte auswendig lernen müssen, und das nach dem Schulsport nie und nimmer geduscht wird. Und ich wußte auch nicht, wie viele Elternabende und Elternsprechtage man in einem Schulleben ertragen muss, und wie schwer es ist, zu vermeiden, Elternsprecher zu werden. Keiner hat mich vorgewarnt, wie viele Kuchen man als Eltern backen muss, wie oft Salate zubereitet werden sollen und wie oft auf dem Zettel stehen würde: „Jeder bringt sein Grillgut selbst mit“ und wie ein „gemeinsamer, gemütlicher Ausklang“ sich gestaltet.

Bei Gesprächen mit manchen von den anderen Müttern, hatte ich das Gefühl nicht mehr zu wissen, in welcher Zeit ich eigentlich lebte. „Mein Mann will nicht, dass ich arbeite“, oder „Hat deine Tochter Dienstag in drei Wochen um 15.15 Uhr Zeit?“, sind tatsächlich gefallen. Variationen von „Meinst du nicht auch, dass die Mathehausaufgabe letzten Donnerstag unlogisch war?“, „Wir müssen heute noch Physik lernen!“, und „Wir haben wieder eine Eins geschrieben!“, habe ich so oft gehört, dass meine Standardantwort, „Ich habe schon Abitur- ich muss es nicht mehr machen“, irgendwann abgedroschen und arrogant klang.

Aber, wenn der Sohn irgendwann gegen Frühsommer 2018 sein Reifezeugnis in der Hand hält, kann er ganz stolz auf sich sein: er hat´s nämlich ganz alleine geschafft, ohne Hilfe einer „Helikopter-Mutti“ oder wie man in Schweden sagt: einer „Curling-mamma“.

/carina

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