Glögg + glücklich = glögglich!

Wenn der Herbstwind durch Schweden zieht, hat Blossa als erster die neue Glöggedition des Jahres auf dem Markt. Schon seit 2003 stellen sie ihren Glögg des Jahres vor, und die Schweden rennen in Scharen Anfang September in’s Systembolaget, um eine Flasche oder zwei zu ergattern. Wer bis Weihnachten oder sogar bis in den Advent wartet, hat schon verloren, dann ist die exklusive Sorte schon längst wie weggefegt vom Markt, und man muss sich mit den üblichen traditionellen Sorten, mit einem Hauch von Zimt, Anis und Kardamom, zufrieden geben. Dieses Jahr ist die Flasche rosa, und der Geschmack soll Passionsfrucht und Hibiskusblüte sein. Nur Gott allein und Blossa wissen, wie sie auf die Idee kamen, aber mittlerweile wissen sehr viele Schweden, wie es schmeckt. Laut einschlägigen Berichte in den Medien: GUT! Und es eignet sich hervorragend, mit Rosésekt gemischt, als välkomstdrink.

Was ist denn eigentlich Glögg? Es ist vieles, vor allem ist es kein Glühwein. Glögg ist Vorfreude auf Weihnachten in flüssiger Form, traditionell in der Adventszeit, mit gehackten Mandeln und Rosinen serviert. Ein pepparkaka oder ein lussekatt eignet sich hervorragend als Snack dazu.

Bis vor kurzen noch hätte ich behauptet, dass kein Schwede im Oktober Lussekatter essen würde, aber letztens fragte meine Tochter, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, mit der heimischen Produktion zu beginnen, und am Tag danach postete meine Schwester auf Instagram einen Korb gelber Gebäckstücke von ICA. Sie behauptete allerdings, dass es einem Systemkollaps gleich komme, und wandte sich entgeistert zeittypischen Gebäckstücken, wie kanelbullar, hallongrottor oder solskensbullar, zu. Trotzdem meine Schwester und ich uns gegen die Vorverlegung von Lussekatter sträuben, scheinen in der jüngeren Generation, (meine Tochter) oder bei dem allgemeinen ICA-Kunde in Göteborg, wenig strengere Sitten zu herrschen.

Vielleicht geht der Sittenverfall auf die frühe Glöggsaisonseröffnung von Blossa im Jahre 2003 zurück? Jetzt gehe ich wieder von mir selbst aus, wenn ich behaupte, keiner würde auf die Idee kommen, Mandeln zu hacken und nach Gewürzen duftendes, heisses Gebräu auszuschenken, wenn die Abende immer noch (halbwegs) warm sind. Aber mit Passionsfrucht und Hibiskusblüte verhält es sich anders, besonders wenn sie mit Rosésekt gemischt werden und kalt getrunken. Wenn der Geschmacksinn uns gedanklich nach Hawaii führen soll (laut der Produktbeschreibung von Blossa) kann das eher kurzärmelig und ohne Mütze getrunken werden.

Also, macht wonach euch der Sinn steht: Glögg im September und Lussekatter im Okotber. Hauptsache, ihr seid glögglich! In diesem Sinne: SKÅL und geniesst den schönen Herbst!

/carina


Schau mal hier:

https://www.aftonbladet.se/matdryck/a/EW54Oa/aloha-blossa-2019–det-har-ar-arets-smak

https://www.ellematovin.se/blossa-glogg-2019-sa-smakar-arets-upplaga/


Vokabelliste

Systembolaget – staatliche Alkoholläden, die alles über xx% Alkohl verkaufen in Schweden.

välkomstdrink – das, was man als guter Gastgeber den Gästen in die Hand drückt, wenn sie gerade ankommen

pepparkaka – Gewürzplätzchen für die Weihnachtszeit, die fast alle Gewürze außer Pfeffer beinhalten.

Lussekatt – Hefeteiggebäck mit Safran

kanelbullar – Zimtschnecken

hallongrottor – Mürbeteigkeks mit Himbeermarmelade

solskensbullar – Hefeteiggebäck mit Vanille

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