Die Sache mit der Gemütlichkeit

Seit der Zeitumstellung habe ich Leute öfter sagen hören, dass das Schöne an der Dunkelheit sei, dass man es sich zu Hause gemütlich machen könne. „Gemütlich machen“, das bedeutet für sie, sich einen Tee zu machen, eine Kerze anzuzünden und ein Buch zu lesen

Das verwirrt mich, weil ich nicht verstehe, dass diese Aktivitäten mit einer bestimmten Jahreszeit verbunden sein sollen. Ich trinke immer (schwarzen) Tee, lese um die hundert Bücher im Jahr und Kerzen gehören für mich zum Alltag.

Vielleicht hat das mit meiner Herkunft zu tun, vielleicht mit meiner Persönlichkeit, wer weiß das so genau? Ich habe es auf jeden Fall gern gemütlich und finde, dass Kissen und Gardinen gern der Jahreszeit entsprechend gewechselt werden dürfen. Das habe ich zu Hause so gelernt und das habe ich in meinen eigenen Haushalt beibehalten.

Meiner Meinung nach, kann ein Haushalt kaum zu viele Kerzenständer und Teelichthalter haben, aber LED-Kerzen in jeder Form gehören gesetzlich verboten. Ein echtes flackerndes Licht strahlt Ruhe und Gemütlichkeit aus, ein LED-Flackern macht mich dagegen nervös und aggressiv. Als ich letztens von einem Ausflug zu IKEA mit 400 Teelichtern zurückkam, hat meinem Mann sich weniger gewundert, er hat mich nur gefragt, wo ich sie verstauen will. Aber ihr könnt mir glaube, dafür habe ich Platz gefunden.

Als wir 2014 unseren Dachboden zu zwei Jugendzimmern umbauten, habe ich aus einem der verlassenen Kinderzimmer ein Lesezimmer gemacht, mit einem gemütlichen Sessel, vielen Kissen und einigen Kerzen. Es gibt natürlich viele Bücher und ein Bett für Gäste. Und nichts spricht dagegen, dass auch jemand der dauerhaft zum Haushalt gehört, sich dort zum Lesen hinfläzt. Natürlich ist auch Platz, um eine Teetasse abzustellen.

Der schmale, ungemütliche Balkon, der früher nur für den Wäscheständer Platz bot, bekam irgendwann einen Holzfußboden und wurde mit einem Ourdoorlesesessel, Fußhocker und Tischchen ausgestattet. Und natürlich mit ganz vielen Windlichtern und ein paar Kissen und Decken zum Einkuscheln!

Im Winter lese ich eher drinnen, mit Tee und Kerzen, im Sommer eher draußen – aber Bücher, Tee und Kerzen sind rund um das Jahr meine Begleiter.

Im Unterricht sage ich oft, dass meine liebsten Jahreszeiten Herbst und Frühling sind, weil die Veränderungen in der Natur so schön sind. Aber vielleicht ist es so, dass ich mich gegen den Wechsel der Jahreszeiten sträube, weil ich das ganze Jahr über das Gleiche tue: Kerzen anzünden, Teetrinken, Bücher lesen und im See schwimmen.

In Schweden gibt es den sehr poetischen Ausdruck kura skymning, es bedeutet, dass man – wenn der Tag zum Abend wird – kurz innehält und den Moment genießt. Es ist ein sehr schöner Gedanke, finde ich, dass man, wenn das Licht schwindet und die Dunkelheit kommt und bevor man das Licht anmacht, sich Zeit lässt, um eine Tasse Te zu trinken und etwas nachzudenken.

Vokabelhilfe

kura skymning                  Skumme | Institutet för språk och folkminnen

                                       Kura skymning och hålla kväll | Kulturminnet

Kura skymning – Levande kulturarv

kura, -r, -de, -t                  kauern

en skymning, -ar               Dämmerung